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Die Musikschule als Ort für Präventionsarbeit

Ein gesunder Umgang mit dem Musizieren sollte nicht erst an der Hochschule oder beim Probenaufenthalt auf Schloss Kapfenburg beginnen. Den Musikschulen kommt dabei eine bedeutende Schlüsselrolle und damit auch eine große Verantwortung zu. Die Entwicklung eines Körperbewusstseins beim Musizieren muss von Grund auf gefördert und geschult werden. Hier haben die Musikschulen und -lehrer Möglichkeiten, die eine punktuelle musikphysiologische Betreuung, wie sie die Internationale Musikschulakademie Schloss Kapfenburg ihren Probengästen seit einiger Zeit anbietet, nicht hat.

Diese Potentiale ergeben sich durch verschiedene Faktoren, die eine Präventionsarbeit in der Musikschule sinnvoll begründen:

Durch den regelmäßigen Unterricht ist eine Kontinuität der musikphysiologischen Betreuung gewährleistet. Einmalige Workshops, Seminare oder ein einstündiges Bewegungsprogramm bei einem Probenaufenthalt können Diskussionen anstoßen und Interesse wecken. Wichtig ist aber die kontinuierliche Haltungs-, Entspannungs- und Ausgleichsarbeit am und mit dem Instrument, so dass der achtsame Umgang mit dem eigenen Körper ganz selbstverständlich Teil der Übe- und Spielpraxis der Kinder und Jugendlichen wird.

Nicht nur die Kontinuität, auch die Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, der in der Musikschule gegeben ist. Viele Kinder sind bereits vom musikalischen Elementarunterricht bis zum Eintritt ins Berufsleben oder möglicherweise sogar die Musikhochschule in einer Musikschule. Wenn also nicht nur der einzelne Lehrer, sondern die ganze Musikschule als Einrichtung die Themen Gesundheit und Prävention aktiv und engagiert umsetzt und in den Alltag sämtlicher pädagogischer Bereiche und Stufen integriert, dann wird den Jugendlichen dieser Umgang wörtlich von Kindesbeinen an bis ins Erwachsenenalter zu eigen. Haltungsschäden und Überlastungen - in welchem Beruf auch immer - können so nachhaltig und dauerhaft vorgebeugt werden.

Ein wichtiger Punkt bei der stark körperbezogenen Arbeit des Musikunterrichts ist das Vertrauensverhältnis zwischen Schüler und Bewegungslehrer. Der individuelle Instrumentallehrer hat einen wesentlich engeren Bezug zu seinen Schülerinnen und Schülern als ihn ein externer Therapeut oder Trainer jemals erreichen könnte. Bei Themen wie Körperwahrnehmung, Atmung und Haltung ist ein starkes Vertrauensverhältnis die Basis, damit sich gerade Kinder und Jugendliche öffnen können und eine effektive Bewegungsarbeit möglich ist.

In diesem Zusammenhang fällt auch der Aspekt der Akzeptanz. Hier haben Musikschullehrer in den meisten Fällen einen unschätzbaren Vorteil gegenüber Lehrern an der allgemeinbildenden Schule, gegenüber Therapeuten und Ärzten und vor allen Dingen gegenüber den Eltern. Der eigene Lehrer hat eine starke Vorbildfunktion für die Kinder und Jugendlichen. Der Lehrer kann etwas, das die Schüler bewundern und nachahmen möchten: Er beherrscht sein Instrument. Diese Kompetenz wird in den meisten Fällen nicht angezweifelt. Wenn die Instrumental- und Gesangslehrer einen bewussten Umgang mit dem Körper selbst vorleben und vermitteln, wird der Erfolg ungleich höher sein, als wenn der Impuls "von außen" kommt.

Prävention muss deshalb unbedingt in der Musikschule anfangen. Methoden zur Muskelentspannung und Muskeldehnung, zu Bewegungsausgleich und Entspannung, zu mentalem Training und gesunder Lebensweise sollten Teil jeder Instrumentalstunde sein. So wie sich auch Sportler aufwärmen, wie sich Sänger einsingen und ihre Stimme wie einen Schatz hüten, sollen auch Instrumentalisten wissen:
The instrument - that's you!
Dein Körper ist dein Instrument.
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