Auch die besten Präventionsprogramme können nur dann erfolgreich sein, wenn sie auch praktiziert werden. Und damit sie praktiziert werden, müssen sie überzeugend sein und den Teilnehmern Spaß machen.
Raum für Entspannung und Ausgleich
Gerade in überfüllten und gerade für Kinder und Jugendliche sehr anspruchsvollen Probenplänen liegt eine Wurzel für körperliche Belastungen beim Musizieren. Anspannung schadet nicht - wenn darauf grundsätzlich auch Entspannung folgt. Dafür muss der entsprechende Raum geschaffen werden - auch in der Probenarbeit und bereits im Kindesalter. Das Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention hat es sich zum Ziel gesetzt, diesen Raum einzufordern und fachmännisch zu gestalten.
Raum für Bewegung und Ausgleich - das ist dabei durchaus auch wörtlich zu nehmen. Seit Dezember 2007 gibt es auf Schloss Kapfenburg einen eigens dafür ausgestatteten Bewegungs- und Fitnessraum, in dem die Musikerinnen und Musiker als Ausgleich zum konzentrierten musikalischen Arbeiten Sport treiben, Entspannungstechniken lernen und üben sowie ihre Muskeln instrumentenspezifisch kräftigen und dehnen können.
Musica sane in corpore sane
Unser Ziel im Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention ist es, jeder Musikerin und jedem Musiker ein kleines Stück Bewusstsein für den eigenen Körper mitzugeben. Jeder Probengast auf Schloss Kapfenburg sollte mindestens einmal in das Programm "hineingeschnuppert" haben. Die Teilnehmer des Bewegungsprogramms erhalten außerdem eine Faltkarte mit den im Kurs gelernten Dehn- und Kräftigungsübungen - superpraktisch, handlich und nützlich. Einen kleinen Fitnessbegleiter eben, der in jeden Instrumentenkoffer passt. Mens sane in corpore sane - das gilt auch für die Musik. Nur ein entspannter Musiker ist ein guter Musiker.
Gesundheit ist hip!
Das Bewegungsprogramm im Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention ist für jede Altersstufe individuell angepasst. Elemente aus Tae-Bo und Thai-Chi machen die Fitnessstunde für Jugendliche und Kinder zu einem sportlichen Highlight neben dem Probenalltag. Für erwachsene Musikerinnen und Musiker darf dann gerne ein bisschen mehr Hintergrundwissen zu richtigem Sitzen und belastungsarmer Haltung dabei sein. Dazu kommen instrumentenspezifische Übungen, die selbst den ausgeprägtesten Geigenhals lindern können oder den Saxophonistennacken entlasten. Und schließlich gibt es Tipps zur Entspannung und zur Beruhigung der Nerven bei Lampenfieberattacken.
Transferleistung des Programms
Die meisten Teilnehmer des Bewegungsprogramms gaben an, die Übungen auch über das Musizieren hinaus anwenden zu können. Denn was am Notenständer nützt, kann am Computer nicht schaden. Die meisten Fehlhaltungen im Sitzen oder Stehen ziehen sich durch unsere gesamte Bewegungs- und Haltungsroutine. Natürlich kann eine Stunde Bewegungsprogramm auf Schloss Kapfenburg keine Haltungsschäden heilen und die Belastungen beim Musizieren nicht wegzaubern. Das Ausgleichsprogramm des Zentrums für Musik, Gesundheit und Prävention kann aber das Bewusstsein für den eigenen Körper und die Wahrnehmung von falscher körperlicher Beanspruchung schärfen. Dazu gehört die schlichte Einsicht: Rückenschmerzen und Nackenverspannungen müssen nicht sein. Wenn die Gäste von Schloss Kapfenburg diese Körperwahrnehmung und Selbstbeobachtung ein Stück weit mit in den Alltag nehmen, ist schon viel getan.