Übungen für Körper und Stimme
Singen in unterschiedlichen Körperhaltungen
Um eine gute Haltung beim Singen zu begründen und den Schülern bewusst zu machen, woher die Kraft zum Singen kommt, eignet sich diese Übung sehr gut. Am besten arbeiten die Schüler immer zu zweit zusammen. Einer probiert ganz unterschiedliche Körperhaltungen aus: Bauchlage, Rückenlage, Vierfüßlerstand, Einbeinstand usw. und singt dabei ein einfaches Lied. Dabei versucht er zu spüren, welche Position angenehm, welche unangenehm ist und warum. Der andere macht sich Notizen, was ihm beim Hören in den unterschiedlichen Positionen aufgefallen ist. Dann werden die Rollen getauscht.
Dehnung der Nackenmuskulatur
Das verkrampfte Hochziehen der Schultern sowie das Vorstrecken des Kopfes sind die Hauptursachen für eine verspannte Nackenmuskulatur. Diese Muskelpartien können gedehnt werden, indem sich im aufrechten Sitz die linke Hand locker auf den Kopf legt und der Kopf zur linken Seite fällt. Die rechte Hand zieht währenddessen zum Boden bis in der rechten Seite der Nackenmuskulatur eine Dehnung zu spüren ist. In dieser Position gibt der Kopf einen ganz leichten Druck nach rechts gegen die linke Hand. Diesen Druck ca. 10 Sekunden halten, dann die Spannung lösen, aber die Position halten und wieder mit der rechten Hand zum Boden ziehen. Anschließend folgt dieser Bewegungsablauf für die andere Seite. Auf jeder Seite sollte die Übung dreimal wiederholt werden.
Zur Dehnung reicht das Eigengewicht des Kopfes und Armes. Die Hand braucht also nicht aktiv am Kopf zu ziehen.
Dehnung der Kaumuskulatur
Der Kaumuskel ist der stärkste Muskel des Körpers. Beim Kauen ist er für das Zusammenpressen der Zähne zuständig. Zwar wird er beim Sprechen durch das Öffnen des Mundes auch unter leichten Zug gebracht, unseren Alltag dominiert jedoch die Kontraktion, die gesellschaftlich noch verstärkt wird: Ein schmerzhaftes „Zähnezusammenbeißen“ oder nächtliches „Zähneknirschen“ sind z.B. als Folgen von Stress weit verbreitet.
Im aufrechten Sitz den Kiefer so weit aufmachen, dass in der Kaumuskulatur eine Dehnung zu spüren ist. Mit einer Hand eine Faust bilden und unter das Kinn halten. Mit der Faust nach oben gegen das Kinn drücken, während das Kinn nach unten drückt. 10 Sekunden halten, die Spannung lösen und den Kiefer anschließend noch weiter öffnen sowie weiter mit der Faust dagegen halten. Das Ganze dreimal wiederholen, aber keinen Kampf zwischen Kiefer und Arm führen, sondern nur mit leichter Spannung arbeiten.
Beispielstunde über 45 Minuten
5 min Allgemeines Aufwärmen und Körperwahrnehmung
Ausschütteln aller Extremitäten, damit Bewusstmachen und Lockern der einzelnen Körperteile. Schultern nach hinten kreisen. Mit beiden Händen die Kiefermuskulatur leicht massieren und in Richtung Kinn mit Druck ausstreichen, dabei schon versuchen, den Kiefer locker zu lassen. Becken lockern: das Becken kreisen lassen, Kippen- und aufrichten lassen, um das große Bewegungsausmaß spüren zu lernen. Angenehme Mittelposition finden lassen.
5 min Atemübungen
Auf Konsonanten wie „f“, „s“, „t“, „p“, „k“, „sch“, „ch“ etc. ... vom Unterbauch her kurze, explosive Impulse geben. Der Bauch bewegt sich dabei nur kurz nach innen, soll aber anschließend sofort wieder lockerlassen und nach vorne fallen, so dass Luft einströmt. Augenmerk liegt vor allem auf dem Lockerlassen mehr als auf dem Impuls. Bildlich kann die Vorstellung eines Trampolinsprungs bei der Durchführung helfen.
10 min Einsingen
Mit dem jetzt aufgewärmten und aufmerksamen Körper lassen sich nun sehr locker die ersten Töne singen. Dabei sollten noch mit wenig Kraft in angenehmer Mittellage und lockerem Kiefer die ersten Töne kommen ohne zu sehr an „Singen“ zu denken. Der Kiefer sollte locker fallen und der Bauch locker bleiben.
Beim Einsingen in alle Register sollte jetzt mehr Augenmerk auf mögliche Fehlspannungen gelegt werden. Klassische Fehlerquellen sind dabei vor allem ein fester Bauch, der nicht mehr lockerlässt beim Einatmen, ein fester Kiefer, Hochatmung und zusätzliche Spannung z. B. im Kopf-, Halsbereich (Recken des Kopfes bei hohen Tönen). Grundsätzlich kommt es oft zu einer ungewollten erhöhten Körperspannung in den höheren Registern. Hier sollte aktiv gegengearbeitet werden: Entweder über ein Bewusstmachen der Fehler oder aber – was bei vielen Schülern sinnvoller erscheint – über eine Ablenkung durch andere Bewegungen. Kommt es z. B. zu einer Überspannung der Halsmuskulatur, lässt man den Schüler bei den hohen Tönen einer Phrase den Kopf leicht zur Seite fallen. Damit hat die feststellende Halsmuskulatur keine Chance mehr eine negative Spannung aufzubauen.
Weitere Hilfe finden wir durch die Beckenkippung, wenn wir merken, dass der Bauch bei der Einatmung nach dem Ende einer Phrase nicht lockerlassen kann. Im Kutschersitz, eine Position im Sitzen, bei der sich der Schüler so weit vorbeugt, dass die Ellbogen auf den Knien aufgestützt sind, fällt es aufgrund der Schwerkraft leichter, den Bauch herausfallen zu lassen.
25 min Repertoirearbeit
In der musikalischen Arbeit innerhalb der Gesangsstunde sollte die Technik nie außer Acht gelassen werden. Der Schüler sollte die vorangegangene Arbeit an der Technik und an seinem Körper nun auf das Singen übertragen können. Die Aufgabe des Lehrers ist dabei, immer wieder auf Fehlspannungen, Überspannungen und Ausweichbewegungen zu achten.
Bei aller Arbeit an der Technik, sollte das Ziel einer jeden Gesangsstunde allerdings darin bestehen, dass der Schüler mit Spaß am Singen nach Hause geht.