Phänomenologie der Aufführungsangst
Ein Beitrag von Prof. Helmut Möller
Berufs- wie Laienmusiker leiden unter Aufführungsängsten. In der Regel werden durch die Aufführungsängste sowohl physische und psychische Fähigkeiten, als auch die Handlungsfähigkeit negativ beeinträchtigt.
- Physische Folgen
Unser Körper reagiert in einer charakteristischen Weise: Die Hände werden feucht, beginnen zu zittern. Herzklopfen, erhöhter Blutdruck, Schweißausbrüche und Müdigkeit stellen sich ein. Besonders gefürchtet sind motorische Einschränkungen der Feinmotorik, und der Schnelligkeit. Dies als Folge der Ausschüttung des Stresshormons Cortison, dass unseren Muskeltonus erhöht, um uns auf Flucht vorzubereiten.
- Psychische Folgen
Angst führt zu innerer Besorgnis. Wir beginnen an unseren Fähigkeiten zu zweifeln. Misserfolgserwartungen oder gar Versagensängste stellen sich ein. Kleine Fehler werden übertrieben, als verhauene Stellen empfunden, nichts läuft mehr. Das Selbstwertgefühl ist eingeschränkt und als Folge erleben wir Konzentrations- und Gedächtniseinschränkungen bis hin zu black outs. Alle diese Gefühle empfinden wir als unangenehm, als bedrohlich, als bedrückend, als niederschmetternd. Wir können unsere Reaktionen nicht mehr beeinflussen, nicht mehr kontrollieren. Auf keinen Fall dürfen wir Fehler machen.
- Folgen auf der Verhaltensebene
Auf der Verhaltensebene beginnen wir Dinge im Lebensalltag zu vermeiden. Wir möchten fliehen. Wir haben das Gefühl gar nichts mehr zu können. In der Folge versuchen wir Angst auslösende Situationen zu vermeiden, und ziehen uns äußerlich wie innerlich zurück.
- Folgen für das Spiel
Im Spiel sind dann Intonationsprobleme, Verminderung des klanglichen Ausdrucks, Einschränkung von Ausdauer und Kraft häufig zu beobachten, Tempi werden überzogen, Einsätze kommen zu früh und der feinmotorische Bewegungsablauf ist gestört.