Entstehung von Aufführungsangst
Ein Beitrag von Prof. Helmut Möller
Die Ursachen für Aufführungsängste sind ebenso vielfältig wie Ihre Erscheinungsweisen. Die folgenden Beispiele sind daher nur als Anregung gedacht, über mögliche Ursachen der Aufführungsangst nachzudenken.
- Eine der wichtigsten Ursachen für Aufführungsängste ist die Einstellung gegenüber Fehlern. Wer Angst vor den Folgen von Fehlern erlernt hat, baut die Erwartung auf, fehlerlos spielen zu müssen. Der Zwang zur Fehlerlosigkeit erweist sich als der erste Schritt zur späteren Aufführungsangst.
- Der Anspruch nach Erfolg und Berühmtheit – seitens Eltern, Lehrern oder der Musiker selbst – bezieht sich vor allem auf technische Normen wie Intonation, Treffsicherheit und Schnelligkeit. Musiker haben häufig Angst, den steigernden Erwartungen ihrer Umwelt nicht entsprechen zu können.
- Auch durch Vorstellungen über das Publikum können Auftrittsängste entstehen. Besonders Angst auslösend wird das Vorspiel vor der eigenen Klasse, vor Mitstudenten und Kollegen erlebt.
- Musiker beginnen in der Regel sehr früh mit dem Erlernen eines Instruments. Das Selbstwertgefühl beziehen diese Kinder zum großen Teil aus dieser spezifischen Begabung. Anderen Fähigkeiten werden kaum gefördert. Dies kann später zu Zweifeln an der eigenen Persönlichkeit führen, die sich in einigen Fällen auch auf die musikalische Leistung übertragen können.
- Ein weiteres Problem liegt in dem frühen leistungsbezogenen Umgang vieler Eltern mit ihren Kindern. „Du musst, du sollst, du hast noch nicht?“ sind eigentlich jedem bekannte Äußerungen. Vor allem versteckte Erwartungen sind häufig für Auftrittsängste verantwortlich.
- Auch die Überforderung der Aufmerksamkeit durch zu langes Üben hat fatale Folgen für das Selbstwertgefühl und damit die Angstbereitschaft. Übeeinheiten sollten nicht länger als 60 Minuten dauern. Ein kurzes Ausruhen oder Kurzzeitschlaf zwischen den Übezeiten sind außerordentlich hilfreich, weil die Abspeicherung des Gelernten im Gehirn Zeit und Ruhe benötigt.