
Der Weg vom Ohr ins Gehirn
Kleine Haarsinneszellen im Innenohr geben Impulse ans Gehirn, wodurch bei uns ein Höreindruck entsteht. Im Hirnstamm wird die Information verarbeitet und die zeitliche Einteilung der Töne wird an verschiedenen Stationen analysiert und geordnet. Auf diesem Weg erfolgt "nebenbei" auch noch die räumliche Ortung und die Entscheidung, ob es sich um eine bekannte oder unbekannte Schallquelle handelt.
Weiterleitung von Informationen
Diese Infoweiterleitung ist sehr aufwendig: 99,9 % der "Daten" kommen nicht an, sonst wären wir andauernd überflutet und könnten uns kaum auf eine Sache konzentrieren. Wir wählen also mit dem Gehirn aus, was wir hören und was nicht, können also auch Störgeräusche ausblenden. Auf den höheren Ebenen des Nervensystems fließen die Infos zusammen und ein Klang (z.B. der eines Instruments) entsteht. Um komplexe Töne zu ordnen, reicht der Hirnstamm aber nicht mehr aus - die Großhirnrinde kommt dann zum Einsatz. Das Gehirn betrachtet die Töne nämlich nie isoliert, sondern versucht sie in schon gemachte Erfahrungen oder Situationen einzubauen. Die Töne fasst das Gehirn in Kategorien zusammen und versucht, schon einmal dagewesene Eindrücke daraus nachzuvollziehen.
Musik regt Emotionen an
Für die Gefühle, die wir beim Musikhören empfinden, sind rechte und linke Gehirnhälfte zuständig. Unsere linke Gehirnhälfte arbeitet eher analytisch wie ein Computer. Sie ist zuständig für das Erzeugen und Entschlüsseln von Sprache. Die rechte Gehirnhälfte ist empfänglich für künstlerische Einflüsse und arbeitet gefühlsmäßiger. Schall wird in beiden Hälften verarbeitet, Sprache nur in der linken. Die Beteiligung der rechten Gehirnhälfte bei der Schallverarbeitung ist der Grund dafür, warum Musik in uns Gefühle auslöst. Sprache wird daher meist zur Übermittlung von Informationen genutzt, bei der Musik herrschen die Gefühle vor. Trotzdem sind immer beide Gehirnhälften an der Verarbeitung von musikalischen Eindrücken beteiligt. Das Gehirn, vor allem die rechte Gehirnhälfte, verleiht den akustischen Signalen Sinn und teilt ihnen Gefühle zu. Die Musik selbst "macht" keine Gefühle, sie kann sie nur anregen.
Wahrnehmung von Musik
Beim Musizieren selbst laufen viele Prozesse gleichzeitig ab: Man muss die Noten lesen, seine Hände koordinieren, mit dem Gehör die Klänge kontrollieren, im Orchester auf die anderen hören, den Dirigenten nicht aus den Augen lassen, Pausen zählen usw. usw. Beim Hören von Musik werden die Hirnprozesse nicht so sehr aktiv, sind aber auch angeregt. Dass wir überhaupt Musik wahrnehmen können, liegt daran, dass das Gehirn aufeinander folgende Klänge zeitlich zusammen fassen kann. Deswegen kann sich ein Mensch Rhythmen ausdenken und Melodien erfinden.
Hören funktioniert nach Einteilung und Zuordnung. Das Geräusch beim Öffnen einer Haustür bleibt nicht so leicht im Gedächtnis, weil es keine Ordnung enthält. Bei Melodien ist das anders. Sie folgen einem Taktschlag und einem bestimmten Aufbau, was man sich gut einprägen kann. Die Tonhöhe eines Geräusches ist nicht bestimmbar.
Aufeinanderfolgende Töne setzt unser Gehirn zu Melodien, dann zu Phrasen und schließlich zu ganzen Passagen zusammen. Gleichzeitig erklingende Töne werden zu Intervallen, dann zu Akkorden und letztlich zu harmonischen Abläufen verbunden. Es sind diese Beziehungen zwischen den Tönen, die nur Menschen erfassen können und die es uns ermöglichen, Musik wahrzunehmen. Ein Goldfisch hört zwar auch Töne, kann aber keine Beziehungen zwischen ihnen herstellen.